Geschichte seit 1881

Chronik der FF-Obsteig
von Dr. F. Reisick

gruendung

Es ist fast eine Selbstverständlichkeit, daß jeder männliche Gemeindeangehörige Obsteigs kurz nach vollendeter Pflichtschulzeit ordentliches Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr wird, ebenso bewerben sich in der Regel die aus anderen Gebieten Tirols Zugewanderten um Aufnahme in diesen Verband. Manch hochbetagter Obsteiger wird sich gewiß erinnern können, die jetztige Generation weiß darüber aber kaum noch Bescheid. Keines der Gründungsmitglieder – es waren ihrer 42 – weilt mehr unter uns.(1) Als Grundlagen des im Nachstehenden Vorgebrachten dienten persönliche Auskünfte des am 3. März 1963 verstorbenen Ehrenhauptmannes und Ehrenmitgliedes Ferdinand Haller, Oberförster der Österreichischen Bundesforste i. R., und die handschriftlichen Aufzeichnungen bzw. Protokolle, die in fünf Bänden zusammengefaßt sind.

(1) Es war mir Vergönnt, 18 von ihnen noch persönlich kennengelernt zu haben, doch über das Thema Feuerwehr konnte ich nur mit dem am 13. Dezember 1938 verstorbenen Postmeister i. R. Ingenuin Föger (geb. am 23. Juni 1858), der als Mitglied Nr. 2 der Gründer aufscheint, sprechen.

Bei Durchsicht der Urkunden über die Auflösung der Gemeinde am Miemingerberg wird auch unter anderem ein Hinweis bezüglich der Feuerlöschgeräte zu finden sein, so z.B. in den Schriftstücken vom 6. Dezember 1832, 28. Dezember und 1. Februar 1833. Damals gab es für das gesamte Gebiet des Mieminger Plateaus eine einzige „Feuerlöschspritze“. Sie mußte da sie „ein Gemeingut sämtlicher drei Comunen“ blieb, im Bedarfsfalle auch Obsteig zur Verfügung gestellt werden. Ob und wann bzw. mit welchem Erfolg diese zum Einsatz gebracht wurde, läßt sich bezüglich Obsteig nicht mehr nachweisen, da entsprechende Aufzeichnungen weder im ehemaligen Gemeindearchiv von Obsteig, noch im Privatbesitze vorhanden waren. Auch mündliche Berichte waren nicht zu erlangen.
Den Anlaß zu der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in der Gemeinde Obsteig gab ein Brand im Weiler Wald im Jahre 1881, der beträchtlichen Schaden anrichtete. Schon 1882 wurden zwei Spritzen und 300 Metter Schleich angeschaffen, wovon der Betrag von 16 bis 1700 Fl war, im selben Jahr wurden von 70 Feuerwehr = Männer ein Verein gebildet, wo ein jedes Mitglied verpflichtet war pro Jahr einen Betrag von 20 Kr zu erlegen, wovon wenn ein Mitglied gestorben ist, ein Amt gehalten wird. Auch wurde noch festgesetzt daß sich jedes Mitglied nach beiliegenden Staduten zu verhalten hat; am selben Jahr wurde von der Gemeinde Vorstehung eine Comandanten Wahl vorgenomen u. dann wurden zwei Feuerwehr Proben abgehalten. …« (1)

(Abschrift aus der „Standesliste für die Freiwillige Feuerwehr in Obsteig 1882“)

(1)  Herstammen, Mitwirken und Ausübung der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Obsteig, S. 1 – Es darf darauf verwiesen werden, daß die Schreibweise der wörtlich wiedergegebenen Aufzeichnungen mit dem Originale genau übereinstimmt. Aus raumtechnischen Gründen konnten nur die wichtigsten Einzelheiten über die Einsätze festgehalten werden.

„Anmerkung der vorliegenden Rekquisiten der Gemeinde Obsteig.“
Zwei Spritzen
300 Metter Schleich
5 St. Munstücker
2 St. Signalhorn
1 St. Französichen Schraufenziher
10 St. Schraufen Schlüssel
Einen Schlauch Wagen
2 St. Steiger Leitern
10 St. Helm
9 St. Steiger Gürtel samt Hacken
7 St. Seiler
2 St. Sauger Schleiche
2 St. Sauger
2 St. Fakeln«

(Abschrift aus der „Standesliste für die Freiwillige Feuerwehr in Obsteig 1882“)

Ein „Verzeichnis über die Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr seit der Gründung 1882“ enthält das „Feuerwehr – Mitglieds – Stammbuch“. Es wurde am 1. Jänner 1910 an dem Titelblatte eingeklebt und seither jeweils entsprechend ergänzt. Die Liste umfaßt bis jetzt (2) dreizehn Namen.

(2) Dieser Abschnitt wurde mit 31. Marz 1970 abgeschlossen.

Der Gastwirt und Postmeister Nikolaus Schönherr, geboren am 27. August 1830, wurde bei der Gründung der Feuerwehr 1882 als Kommandant eingesetzt und übte diese Funktion bis zu seinem am 20. November 1884 erfolgten Tode  aus. Sein Nachfolger war der Gastwirt Josef Zimmermann, der am 3. Dezember 1838 geboren wurde und am 5. September 1892 starb. Er blieb bis 1887 auf seinem Posten und wurde von dem am 12. Februar 1845 geborenen Tischlermeister Josef Mantl abgelöst, der bis 1890 das Amt versah. Mantl starb am 31. August 1928. Sechzehn Jahre hindurch, von 1891 bis am 16. März 1907, war Alois Karlinger, Wagnermeister, Kommandant der Feuerwehr in Obsteig. Am 7. April 1845 erblickte er das Licht der Welt und starb am 28. März 1928.

Rudolf Krug, geboren am 23. April 1879, Gastwirt, machte bloß vom 17. März 1907 bis April 1908 Dienst. Er übersiedelte nach Mötz. Ihm folgte der am 8. November 1870 geborene Gastwirt Alois Föger vom April 1908 bis 15. März 1913. Föger starb am 12. Oktober 1915. Vom 16. März 1913 bis zu seinem Tode am 9. Juni 1915 war der Bauer Engelbert Thaler, geboren am 3. September 1882, Kommandant. Diese Stelle hatte sodann der am 24. Jänner 1857 geborene und am 5. Oktober 1927 verstrobene Bauer Johann Gaßner vom 10. Juni 1915 bis am 6. Dezember 1919 inne. Der Tischlermeister Peter Auer wirkte fast volle acht Jahre, vom 7. Dezember 1919 bis zum 10. November 1927, als Kommandant der Obsteiger Feuerwehr. Sein Geburtstag ist der 20. Juni 1890, sein Todestag der 11. November 1948. Oberförster der ÖBF. Ferdinand Haller wurde am 20. November 1927 mit der Leitung der Feuerwehr Obsteigs betraut und übte diese Tätigkeit bis zum 31. März 1939 aus. Am 20. Juli 1883 geboren, schied er am 11. März 1963 aus dem Leben. Seine Nachfolge trat am 1. April 1939 der Bauer Josef Gaßner, geboren am 3. September 1889, gestorben am 13. Dezember 1951, an. Die Amtsperiode Gaßners dauerte bis 26. Jänner 1946. Der Gastwirt Hermann Föger übernahm die Führung der Feuerwehr in der Gemeinde Obsteig am 27. Jänner 1946. Er wurde am 11. Jänner 1912 geboren. Nach zwölfjährigem Wirken legte H. Föger am 2. Februar 1958 das Amt nieder. Seit dem 2. Februar des Jahres 1958 ist der Zimmermann Josef Auer, geboren am 24. Jänner 1923, Kommandant der Feuerwehr in Obsteig.

Die Seinerzeitige Berichterstattung empfindet man heute vielleicht etwas eigenartig. So heißt es in den Aufzeichnungen u. a.:

„Am 17. Juni 1885 rückte die Feuerwehr das erste mal tapfer zu diesem Brand in Wildermieming, wo nur 4 Häuser in Asche gelegt wurden, aus“ Am 23. Oktober 1886 „wurde der Scheiben-hof in Aschland zu Asche gelegt, wo auch die Feuerwehr-Mannschaft das zweite mal zu einem Brand ausgerückt war. Am 17. Dezember 1886 Brannte in Mötz ein Haus mit zwei Bartheien ab, wo die Feuerwehr von Obsteig ausgerückt war.

„Am 29. März 1887 wurde der Stadel des Josef Gabl und Ignaz Reiner in Asche gelegt, wo das Haus noch von der Obsteiger Feuerwehr Miselig gerettet wurde.“ „Und am 15. November 1891 Rickte die Feuerwehr nach Mötz aus, wo 7 Heuser in Asche gelegt wurden.“ „Und am 4. Jänner 1893 Rickte die Feuerwehr nach Mötz aus, wo 1 Haus samt Stadel in Asche gelegt wurde.“ „Am 20. April 1893 Rickte die Feuerwehr nach Ritz aus, wo 4 Heuser und Rintenstagl in Asche gelegt wurden.“ „Und vom 3. auf 4. Juni 1893 Rickte die Feuerwehr zu einem Brand nach Nassereid aus, wo 43 Heuser in kurzer zeit in Asche lag und wo auch die drei oberriedlich mit ihrer Feuerwehr deilnahmen.“

„Am 27. September 1892 brach 11 Uhr Mittag im Gastauß zum Löben in Obsteig Feuer aus, wo nach kurzer Zeit in Asche lag, und wo auch die drei oberriedlich mit ihrer Feuerwehr deilnahmen.

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Brand des Löwenwirtes (Stiftshof)1892. Das Haus wurde vor 1280 erbaut.

Am 20. März 1897 gab es einen Brand in Mötz, wobei die Feuerwehr von Obsteig mit vierzig Mann von 1 Uhr nachmtittags bis 4 Uhr beschäftigt war, und einen in Haiming, bei dem die Feuerwehr von Obsteig mit Löschungsarbeiten Hilfe leistete. Fünfzig Mann waren am 8. Mai 1898 in Ritz im Einsatz. Bei dem Brande des Schmiedhauses in Mötz konnte die Obsteiger Feuerwehr am 29. August 1989 helfend eingreifen.

Zum dritten Male im Gemeindegebiet von Obsteig selbst mußte die Feuerwehr am 20. Juli 1902 bei einem Brande der Holzlegen des Josef Thaler im Mooswalde herangezogen werden. Zirka vierzig Mann standen „in Thetigkeit“ am 24. August 1905 bei einem in Wildermieming ausgebrochenen Brande. Vier Häuser mit fünf Parteien fielen damals zum Opfer. Der sechzehnte Einsatz war am 9. Juni 1907 um ½ 10 Uhr nachts in Silz, der siebzehnte in der Nacht vom 23. auf 24. September 1907 in Mötz. Wieder griffen vierzig Mann aus Obsteig helfend ein. „Es wurde ein Haus mit 3 Parteien Eingeäschert“ heißt es in der diesbezüglichen Notiz. In Haßbach (Gemeinde Rietz) konnte die Obsteiger Feuerwehr am 3. Februar 1908 zum achtzehnten Male ihr Können unter Beweis stellen. Um ¾ 3 Uhr früh wurden die Obsteiger am 21. September 1908 von Mötz um Hilfe gerufen. Bis um ½ 6 Uhr früh dauerte die Bekämpfung des Feuers. Dreißig mann Stellten sich zur Verfügung. Zwei Häuser mit drei Parteien wurden ein Raub der Flammen. Der 20. Einsatz erfolgte am 5. April 1909 um 8 Uhr abends, und zwar wieder in Mötz. Das Haus des Gerbermeisters Sebastian Höpperger wurde damals vernichtet, obwohl fünfundvierzig Mann Hilfe leisteten. Am 29. Juli 1909 gab es um 11 Uhr nachts wieder Alarm. Bis 2 Uhr früh bemühten sich fündunddreißig Mann der Obsteiger Feuerwehr, dem Feuer Herr zu werden. Trotzdem konnten das Haus des Otto Schwarz samt dem Stadel und dem Stall nicht gerettet werden. Mit diesem Berichte über den 21. Einsatz schließt das alte Feuerwehrbuch.

Der 1. Brand des Dienstbuches, der 52 nicht numerierte Seiten aufweist, wurde am 1. Jänner 1910 in Gebruch genommen und schließt mit dem 31. Dezember 1931.
Es enthält u. a. die Berichte über die Einsätze 22 bis inklusive 47.

Am 2. Oktober 1910 sind vier Brände, davon drei auf der Mieminger Hochfläche, verzeichnet, und zwar am
16. Juli um 3 Uhr nachmittags der Brand des Hauses in der „Scheibe“ bei Aschland, genau ein Monat darauf, am 16. August um ½ 3 Uhr nachts der in Fronhausen, bei welchem in kurzer Zeit drei Häuser und zwei Ökonomiegebäude eingeäschert wurden, sowie bereits zwei Tage nachher, am 18. August 1911 um ½ 1 Uhr nachmittags der in dem Weiler Oberstraß, wo das Wohnhaus und das Wirtschaftsgebäude des Josef Bartl dem Feuer zum Opfer fielen. Es war dies der 25. Einsatz der Obsteiger Feuerwehr.

Noch am 21. Oktober 1911 mußte sie bei der Bekämpfung eines Brandes in Mötz im Gasthause „zum Stern“ des Franz Paulsteiner tätig sein.

Drei Jahre hindurch hatte die Freiwillige Feuerwehr von Obsteig nicht in Aktion zu treten. Ihr 27. Einsatz war am 17. Juni 1915 um 1 Uhr nachts erforderlich, als in Holzleithen ein Feuer zum Ausbruche kam, welches rasch um sich griff und alle fünf Häuser der Fraktion zerstörte. Infolge Wasserknappheit und großer Dürre war es nicht möglich, den Brand zu lokalisieren.

Nach achtjähriger Pause mußte die Obsteiger Feuerwehr wieder ausrücken. Es war dies am 28. Dezember 1923 der Fall, „weil in Freinzheim ein Kaminbrand ausbrach, wurde aber gleich erloschen, sodaß die Feuerwehr glücklicherweise nicht in Tätigkeit genommen werden darf.“ Als Zeit wurde 9 Uhr vormittags angegeben.

Am 20. Mai 1924 um 4 Uhr morgens halfen die Obsteiger bei dem Löschen eines Brandes in See (Gemeinde Mieming) und am 20. November 1925 in Fronhausen um 10 Uhr abends.

Auch im Jahre 1926 konnte die Obsteiger Feuerwehr ihre Einsatzbereitschaft dreimal gegenüber der Gemeinde Mieming unter Beweis stellen, nämlich am 5. Februar, an welchem Tage das Doppelhaus locher Zach samt den Wirtschaftsgebäuden um 7 Uhr früh ein Raub der Flammen wurde. Bei dieser Gelegenheit zeigte der Steiger Anton Gaßler, vulgo Seicheler, besondere Unerschrockenheit, als er aus dem zum Teil bereits eingestürzten und stark brennenden Schweinestall noch zwei größere Tiere rettete, ferner am 20. Juli 1926 das Bäckeranwesen in Fronhausen niederbrannte und zwei Tage später, am 22. Juli 1926, als in der gleichen Fraktion der Stadel des Josef Gapp um 8 Uhr früh durch einen Buben im Alter von vierzehn Jahren in Brand gesteckt wurde, der auch der Täter der Brandlegung am 20. Juli im Hause des Bäckers war. Zum Glück konnte dieses Feuer schon im Keime erstickt werden.

Von Mißgeschick überschattet war hinsichtlich der Geschichte Obsteigs das Jahr 1927. Am 8. Juli dieses Jahres brach um ½ 4 Uhr früh im Weiler Wald ein Brand aus, dem sieben Wohnhäuser und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude, die Stallungen und Stadel zum Opfer fielen. Über  diesen 34. Einsatz liegt ein sehr ausführlicher Bericht im Dienstbuche, I. Band, S. 11-14 vor, der bei der Besprechung dieses Ortsteiles zur Gänze aufgenommen ist.

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Der Weiler Wald in Flammen am 8. Juli 1927.

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Die seinerzeitige Gäststätte in Wald. Hier brach der Brand am 8. Juli 1927 aus,
bei dem nur vier Häuser des Weilers verschont blieben.

Noch im gleichen Monate, am 23. Juli 1927 um ½ 1 Uhr Früh, wurde die Obsteiger Feuerwehr zum 35. Male eingesetzt. Es galt, das durch Blitzschlag entstandene Feuer am rückwärtigen Teile des Stadels im Hause des Postmeisters Föger zu bekämpfen.

postmeister
Das Posthaus von Obsteig nach dem durch Blitzschlag
entstandenen Feuer am 23. Juli 1927.

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Auf Grund der bei diesen beiden Bränden gemachten Erfahrungen entschloß man sich zum Ankaufe einer modernen Motorspritze, deren Leistungsfähigkeit sogar größer und besser war, als sie den Vereinbarungen gemäß hätte sein müssen. Der Preis betrug 5.200 Schilling. Sie wurde erstmalig am 27. Februar 1928 um ½ 10 Uhr nachts bei einem Brande, dessen Ursache Kurzschluß gewesen sein dürfte, in Fronhausen eingesetzt. Das Wohnhaus samt Stall und Stadel des Zimmermeisters Rudolf Unterlechner wurden vernichtet. Diese Spritze konnte bis zum Jahre 1955 verwendet werden. Sie wurde am 30. Oktober 1955 um den Betrag von 1.000 Schilling abgegeben.

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Die erste  Motorspritze der FF-Obsteig 1927.

Am 2. März 1928 um ¼ 5 Uhr Nachmittags erfolgte der 37. Einsatz bei einem Großfeuer in Nassereith, am 26. März 1928 um 8 Uhr früh das 38. Eingreifen, als die Aufbereitungsanlagen des Bergwerkes Dirstentritt niederbrannten, am 20. Mai 1928 um ½ 8 Uhr abends bei einem Kaminbrande im Hause Anton Gaßlers in Oberstraß der 39. Einsatz. Die 40. Löschaktion war in Stams am 6. August 1928 um ½ 8 Uhr früh, wo Selbstentzündung eines Heustockes die Brandursache war, und die 41. Hilfeleistung erfolgte am 1. September 1928 um ½ 5 Uhr bei einem infolge Kurzschlusses entstandenen Brandes in Arzkasten. Das gefährdete Wohnhaus des Alois Sailer konnte gerettet werden, der Stall und der Stadel gingen verloren.

Dreimal konnte sich die Obsteiger Feuerwehr im Jahre 1929 bewähren: am 22. Juli um ½ 5 Uhr früh in Krebsbach, wo ein kleines Haus des Josef Schnalzger abbrannte, ferner bei einem Großbrand in Nassereith am 31. August um ¼ 5 Uhr früh, schließlich bei einem Großfeuer in Telfs am 12. September 1929 um ¼ 3 Uhr früh bei dem sechs Häuser und ein Sägewerk zerstört wurden. Als Brandursache wurde für alle drei Fälle Brandstiftung vermutet.

Brandstiftung lag auch bei dem Großfeuer in Nassereith am 20. Juli 1930 um Mitternacht sowie bei dem Brande in Wildermieming am 29. Mai 1931 um ½ 23 Uhr vor. Eine Angabe über die Ursache des Feuers in Lehnsteig (Gemeinde Mieming) fehlt. Dieses wütete in den Abendstunden des 8. Oktober 1931.

Zu dem zweiten Brande des Dienstbuches der Freiwilligen Feuerwehr Obsteig findet sich die Eintragungen der Vorfälle in der Zeit vom 1. Jänner 1932 bis Ende 1945 mit den Einsätzen 48 bis 65. Das Ausmaß beträgt 76 Seiten.

Für das Jahr 1932 scheinen die Angaben über vier Brände auf. Hilfeleistung seitens der Obsteiger Feuerwehr erforderten ein Großfeuer in Mötz am 29. März um 14 Uhr 30, ein Kaminbrand im Hause des Josef Schaber in Oberstraß am 5. April um 18 Uhr, ein Waldbrand im Mooswalde mit einer Brandfläche von 400 m² und am 16. August um 14 Uhr 10 ein Großfeuer in Obermieming, das durch die Vernichtung des Doppelhauses Johann Weiß und Anton Bartl samt Stall und Stadel sowie des Wirtschaftsgebäudes des Johann Spielmann (Wille) beträchtlichen Schaden anrichtete. Über die Brandursache gibt das Dienstbuch keinen Aufschluß. Vor ihrer Begradigung verlief die Bundesstraße 189 in der Ortschaft Obermieming in einem größeren Bogen südlich der heutigen Trasse und lag somit im Bereiche des Feuers, wodurch ein Herankommen an den Brandherd außerordentlich schwierig war. Dazu kam noch, daß der 16. August in Erinnerung an das Erlöschen der Pest ein lokaler Halbfeiertag in der Fraktion Obermieming ist, an welchem es Sitte ist, das Vieh auf den Almen aufzusuchen. Viele der Bewohner von Obermieming beteiligten sich auch an der an diesem Tage stattfindenen Prozession zu der Rochuskapelle bei Wildermieming. Die daheimgebliebenen kleineren Kinder sollen bei ihren Spielen im Heu den Brand verursacht haben. Vor den Flammen suchten sie unter dem Herde in der Küche Schutz, wodurch ihre Rettung sehr erschwert wurde. Das Feuer wurde erst entdeckt, als ein Objekt lichterloh brannte.

Durch Funkenflug eines Elektromotors in einen Strohhaufen entstand am 5. Mai 1933 um 12 Uhr 30 ein Stadelfeuer im Wirtschaftsgebäude des Josef Mantl in dem Weiler Finsterfiecht. Dreißig Feuerwehrleuten gelang es, alsbald den Brand zu löschen. Anläßlich eines Großfeuers in Wildermieming wurde die Obsteiger Feuerwehr am 27. Juni 1933 um 21 Uhr um Hilfe gerufen. Es brannten zwei Häuser, wovon eines gerettet werden konnte. In Fiecht am Fuße des Achberges brannte am 28. Dezember 1933 um 15 Uhr das große Haus des Alois Neuner ab. in diesem Zusammenhange gab es für die Freiwillige Feuerwehr von Obsteig die 54. Alarmierung. Die Brandursache wurde nicht aufgeklärt, jedoch Brandlegung vermutet.

Zu einem einzigen Einsatze kam es im Jahre 1934, und zwar in Mötz am 1. März. Es brannte das Haus des Alois Praxmarer, früher Locher, ab. Zum 56. Male rückte die Obsteiger Feuerwehr bei einem Waldbrande nahe von Schloß Klamm am 6. Mai 1935 aus. Der Siebenundfünfzigste Einsatz erfolge auf Grund der Bitte um Hilfeleistung bei der Bekämpfung eines Großfeuers in Wildermieming am 2. Juli 1935.

Erst zwei Jahre später liegt wieder ein Bericht über einen Einsatz vor. Bei einem Brande in Untermieming am 17. April 1937 um 14 Uhr 30 wurde der Doppelhof der Familien Spielmann und Christler ein Raub der Flammen. Ein Todesopfer war in diesem Zusammenhange zu beklagen. Am 24. August des gleichen Jahres um 7 Uhr beteiligten sich dreißig Mitglieder der Obsteiger Feuerwehr bei der Bekämpfung der Hochwasserkatastrophe, die der Sturlbach und seine Zuflüsse verursachten. Der Sturlbach hatte an mehreren Stellen das Ufer längs des Weges unterhalb der Brücke nach Finsterfiecht angegriffen und drohte, den Fahrweg zu zerstören. Im Latschengebiete auf dem Simmering wurde am 14. Oktober 1938 um 14.00 Uhr ein Band festgestellt, der in verhältnismäßig kurzer Zeit lokalisiert werden konnte. Es war dies das sechzigste Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr Obsteig. Trotzdem wurde laut aufgenommenem Protokolle etwa ein Hektar Latschenbestand vernichtet.

Gemäß der Aufzeichnungen in dem zweiten Bande des Dienstbuches der FF-Obsteig trat die Feuewehr in den Jahren 1939 bis 1943 nicht in Aktion. Erst am 9. Juli 1944 kam sie wieder zum Einsatze, diesmal in München: Josef Föger kann sich an den Einsatz der Obsteiger Feuerwehr in München am 4. Juli 1944 noch erinnern, er war damals knapp 17 Jahre alt. Nach einem Angriff der Alliierten auf München – »den Feuerschein konnte man bis zu uns her sehen« – wurden die Feuerwehren aus dem ganze Bezirk verständigt. Am Abend erfolgte die Abfahrt mit dem Feuerwehrauto und der Motorspritze. »Dabei waren Ferdl Grutsch als Gruppenführer, Siegfried Plattner als Fahrer, Josef Granbichler, Ferdl Ennemoser, Johann Huber, Hermann Thaler und ich.« Nach dem Eintreffen in München wurde die Gruppe in die Nähe des Hauptbahnhofes beordert. »Wir sollten Erdäpfel aus einem Keller bergen. Ich bin in ein Loch hinuntergestiegen, bin aber bald im Wasser gestanden, und mit dem schwachen Licht konnte ich aber nichts sehen.« Unverrichteter Dinge wurde die Gruppe an einen anderen Ort verlegt, wo aus einem brennenden Gebäude allerlei Gegenstände geborgen wurden. »Dort war eine Feuerwehr aus Bremen, und ich bekam einen Anschiß, als ich mir ihren Tankwagen anschauen wollte. … Nach einer Weile sind Frauen mit Kübeln gekommen und wollten Wasser. Es war zwar verboten, aber wir haben ihnen doch welches gegeben. Bald ist eine ganze Reihe angestanden, da war es dann nicht mehr möglich.« Das Löschwasser in Verbindung mit dem Phosphor der Bomben entfaltete nicht die gewünschte Wirkung. »Der Huber Hans am Strahlrohr war ganz wild „Des miaß’mer o-löschn!“. Der Granbichler Josef hat mich immer wieder zurückgehalten: „Dei Voter hat mir den Auftrag geb’n, daß i auf di aufpaß“« Die Heimkehr: Schon knapp außerhalb von München schaffte das Auto nur mehr Schrittempo, das mehrmalige Zündkerzen putzen nützte nur wenig. In der Nähe des Starnberger Sees trafen sie auf die Stamser Feuerwehr und baten sie, das Obsteiger Feuerwehrauto anhängen zu dürfen. »Aber die Stamser fragten uns um das gleiche! Das letzte Stück, hinauf auf den Holzleiten Sattel haben wir geschoben.«. Die Rückkehr erfolgte am 11. Juli.

Mit zwei sehr ausführlichen Schilderungen schließt der zweite Band des Dienstbuches. In Oberstraß kam es infolge einer Überhitzung eiserner Rauchleitung aus einem Zimmerofen im Hause des Anton Heidegger am 17. Jänner 1945 um 19 Uhr 30 zu einem Brande. Am 7. Mai 1945 brannte die große Werkstätte des Zimmermeisters Ferdinand Grutsch in Unterstraß ab.

Der Dritte Band des Dienstbuches der Freiwilligen Feuerwehr von Obsteig wurde am 1. Jänner 1946 in Gebrauch genommen. Nur knappe fünf Zeilen umfaßt die Eintragung über einen Brand in der Fraktion Tabland – im Original heißt es „Dabland“ – der Gemeinde Mieming. Für den 64. Einsatz wird der 3. Februar, als Zeit 12 Uhr Mittag angegeben. Im gleichen Jahre, am 27. September 1946 um 17 Uhr 30, gab es einen Brand in Gschwent im Hause Stecher.

Dreimal kam die FF-Obsteig in den Jahren 1947 zum Einsatze: am 24. Februar um 4 Uhr früh in Aschland, am 29. Juni in See (Gemeinde Mieming) und am 17. September bei einem Waldbrande in Huben im Ötztale, der volle zwei Tage anhielt. Zu einem einzigen eingreifen sah man sich in dem Jahre 1948 veranlaßt. Es war dies bei einem Brande in Weisland im Anwesen des Franz Prantl erforderlich.

Im siebzigsten Jahre ihres Bestehens hatte die FF-Obsteig auch ihren siebzigsten Einsatz. Er erfolgte um 8 Uhr früh am 20. Februar 1952, als im Hause des Johann Muglach ein Kaminbrand ausgebrochen war, der alsbald gelöscht werden konnte. Auf der Holzleitner Höhe geriet am 18. November 1952 ein Wiener Personenkraftwagen in Brand. Auch in diesem Falle wurde entsprechende Hilfe geleistet.

Im Weiler Unterstraß kam am 3. November 1954 bei einem Feuer – es brannte das Wirtschaftgebäude des Gasthofes „zum Löwen“ – die FF-Obsteig um 0 Uhr 30 zu ihren zweiundsiebzigsten Einsatze. Es lag Selbstentzündung eine Heustockes vor. Der Schaden wurde auf 450.000 Schilling geschätzt. Nichtausschalten eines Heizkissens war die Ursache eines Zimmerbrandes im Hause des Josef Mantl in Finsterfiecht am 13. November 1954. Durch rasches Eingreifen des Nachbars Anton Ennemoser konnte ein Großfeuer verhindert werden.

In den Jahren 1955 und 1956 blieb Obsteig von Feuer verschont, und es wurde auch von auswärts die Obsteiger Feuerwehr nicht angefordert. Erst am 27. Juni 1957 um 10 Uhr 30 gab es wieder Feueralarm. Der Brandplatz war die „Untere Mühle“ in dem Weiler Mühlried bei Untermieming.

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Brandruine der „Unteren Mühle“ von Mühlried.

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An dem vielleicht heißestem Tage des Jahres 1957 – es wurden am 7. Juli in Obsteig 44° C gemessen – verursachte ein Blitzschlag im sog. „Brandegg“ des Bundesforstes Gaslein einen Waldbrand. Die Brandfläche, zum Teile im Latschengebiete gelegen, war 1 ½ Hektar groß. Es war dies der fünfundsiebzigste Einsatz.

Dem Feuerwehrkommandanten Josef Auer gelang es allein am 19. Jänner 1959 einen Kaminbrand in dem seinerzeitigen Hause des Josef Stricker in Unterstraß zum Erlöschen zu bringen. Nur die eigenen Hausbewohner beteiligten sich bei den Löscharbeiten.

Infolge des über eine Woche anhaltenden Regens führten alle Bäche des Mieminger Plateaus gegen Mitte Juni 1959 Hochwasser. Lt. den Aufzeichnungen der Beobachtungsstation in Unterstraß war das Tagesmaximum dieses Jahres am 13. Juni. 38,0 Millimeter konnten gemessen werden. Die hochgehenden Fluten des Marienbergbaches bzw. Strangbaches rissen bei Roßbach die Straße an einigen Stellen auf, wodurch so starke Beschädigungen erfolgten, daß die Bundesstraße 189 nur noch in einer Breite von einem halben Meter benützbar blieb. Die im Jahre 1958 erbaute neue Straße nach Aschland wurde zum Großteile zerstört, ebenso die „Ploderbrücke“ nördlich von Weisland, so daß der Weiler Aschland von der Umwelt abgeschnitten war. Zwei volle Tage standen die Angehörigen der FF-Obsteig hier am 14. und 15. Juni in schwerem Einsatze.

Am 6. September 1959 gelang es dank des raschen eingreifens der FF-Obsteig einen Waldbrand bereits im Keime zu ersticken. Der Aufsichtsjäger Karl Pirktl aus Aschland hatte rechtzeitig die Meldung erstatten können. So konnte ein größerer Schaden vermieden werden.

Ein einziges Mal ertönte das Alarmzeichen der Sirene im Juli 1960 in Obsteig. Am 23. August um 18 Uhr 10 wurde die FF- Obsteig zur Hilfeleistung in Finsterfiecht angefordert. Zwei Kinder im Alter von fünf und sechs Jahren hatten durch Spiel mit Zündhölzern einen Holzschuppen in Brand gesteckt. Glücklicherweise konnte das Feuer relativ rasch lokalisiert werden.

Im Darauffolgenden Jahre gab es vier Einsätze: am 22. April um 17 Uhr 55 in Barwies, wo wieder Kinder einen Brand verursacht hatten, am 24. April um 19 Uhr 14 bei einem Kellerbrand in Untermieming, sowie am Sonntag, dem 8. Oktober um 13 Uhr in Barwies bei dem Sägewerk Unterlechner. Hier erlitt Kommandant Auer Verbrennungen am linken Arme. Brandlegung durch Kinder war die Ursache des vierten Einsatzes der FF-Obsteig. Das Feuer war im Anwesen des Alois Haselwanter, vulgo Bruggenschneider, in Obermieming ausgebrochen.

In Obermieming kam die FF-Obsteig bei einem Brande am 5. November 1962 um 19 Uhr 50 zu Hilfe. Zwei Stunden dauerte die Bekämpfung des Feuers. Nach einer Pause von einem Jahr trat die FF-Obsteig am 28. Dezember 1963 um etwa 12 Uhr 30 bei einem Brande an der Wegscheide (Staches) in Oberstraß in Aktion.
Einhundertsiebzig Stunden Arbeit wurden von zwanzig Mann im Einsatze gegen das Hochwasser geleistet, nachdem am 11. Juni 1965 um 3 Uhr früh das Alarmzeichen ertönt war. Die Bundesstraße 189 hatte bei der Einfahrt nach Arzkasten eine Vermurung aufzuweisen, die Brücke nach Wald war durch den Sturlbach und seiner Zubringer, dem Trendlsbach, zum Einsturze gebracht worden. Einige Hektar Kulturgrund wurden in diesem Teile Obsteigs gleichfalls vermurt. Zwei Tage vorher hatte die Regenmeßstelle in Unterstraß das Niederschlagsmaximum im sechsten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts – es wurden 60,2 Millimeter gemessen – verzeichnet.

Durch Funkenflug entstand am 15. Järz 1966 in Holzleithen ein Brand, dessen Bekämpfung sich infolge des Schneetreibens und der herrschenden Kälte – das Schaumlöschgerät war sogar eingefroren – sehr schwierig gestaltete.

Einen durch Kurzschluß entstandenen Brande fielen die Häuser Nr. 260, 261 und 262 in der nacht vom 15. auf den 16. Juni 1966 in Barwies zum Opfer. Zum achtundachzigsten Male konnte die FF-Obsteig hier helfend eingreifen.

Zwei Hilfeleistungen waren noch in dem Jahre 1966 erforderlich: am 22. August in Obermieming und am 3. September in Krebsbach.

Am 27. Juli 1967 gab es den einzigen Einsatz der FF-Obsteig in diesem Jahre. in der Müllablage war um 15 Uhr 30 ein Brand entstanden, der nach kurzem Bemühen zum ersticken gebracht wurde.

„Meilensteine“
1881 Gründung des Feuerwehr-Vereins

1882 Ankauf von 2 Handdruckspritzen und 300 Meter Schlauch

1913 Neuorganisation der Feuerwehr nach dem „Exerzier-Reglement“ des Landesfeuerwehrverbandes Das Spritzenmagazin der „Holzleiten-Abteilung“ wurde nach Weisland verlegt  Bei der Feuerwehrhalle in der Oberstraß wurde ein Schlauchturm errichtet.

1927 Nach dem Großbrand in Wald und dem Brand beim Postmeister wurde eine Motorspritze angekauft und die Feuerwehrhalle umgebaut

1928 Bau des Löschwasserbassins in der Unterstraß

1933 Bau des Löschwasserbassins in Gschwent

1936 Übernahme des „Feuerwehr-Bezirks-Rüstautos“

1937 5 Hydranten werden in der Unter- und Oberstraß aufgestellt

1948 Bildung der selbständigen Löschgruppe in Wald Stationierung einer TS in Wald,  Bau der Gerätehäuser in Wald und Gschwent

1960 Übernahme einer neuen TS

1963 Übernahme eines neuen Rüstfahrzeugs (Ford Transit)

1965 Erstmalige Teilnahme an einem FLA-Bewerb (in Rattenberg)

1970 Aufbau und Ausrüstung einer AS-Gruppe

1974 Übernahme einer neuen TS

1978 Übernahme eines neuen Löschfahrzeugs (VW)

1981 Weihe der Fahne

1986 Übernahme des neuen Rüstfahrzeugs (Mercedes)

1992 Bau des Löschwasserbehälters in Finsterfiecht

1996 Übernahme eines neuen Tanklöschfahrzeuges TLFA 2000

2001 Übernahme des neunen LAST Fahrzeuges

2012 Bau und Einzug in das neue Gerätehaus